Donnerstag, 11. Juni 2015

Märchenhochzeit - Episode 12




Ein Umweg kommt selten allein über Stock und Stein zum langersehnten Happy End

Episode 12 - Brautmädchenkleider.. oder vom mutigen Vorhaben, diese schneidern zu lassen
 




Der Abstecktermin für die Mädels stand an, endlich war es so weit!
Gespannt waren wir alle drei; meine Schwester und meine Minitante waren mitgekommen mit ihren Mädels, um die beiden ging es ja schließlich. 
Wir waren irgendwie auf so alles gefasst.

Dort angekommen sahen wir schon ein Kleid am Schrank auf dem Bügel hängen.. oh war das rosa! Und ich konnte noch keinen cremefarbenen Stoff erkennen.. mein Magen wurde irgendwie flau und ich musste mich tatsächlich zwingen, freundlich zu kucken und die Fassung zu bewahren.
Zuerst durfte die Kleine in den Rohentwurf von Kleid schlüpfen.. Ja genau, Rohentwurf. Mehr war es noch nicht. Die Kleider waren ein Entwurf, es war noch nichts umgenäht, kein cremefarbener Stoff dran, es gab zwei Boleros aber mit jeweils nur einem Ärmel und ich zählte innerlich schon wieder die Tage, die noch zur Verfügung standen um alles fertig zu machen. Heute war Montag nachmittag, am Samstag stand die Hochzeit bevor. Ich hörte mich selbst auf mich einreden, dass ich einfach tief ein- und ausatmen sollte. Alles wird gut, das ist kein schlechter Traum, ich bin entspannt. Es ist noch Zeit, die Kleider werden toll, alles gut!... einatmen… lächeln… ausatmen… lächeln..
Ich konnte mir wirklich nicht helfen, aber ich möchte nicht wissen wie ich gekuckt habe. Ich habe mich dezent etwas zurückgezogen und versucht zurückzuhalten um einfach ruhig zu bleiben. Die Kleine sah als sie den Rohentwurf anhatte, aber wirklich süß aus. Da ich ja wusste, wie ich das Kleid gerne fertig hätte, konnte ich mir gut vorstellen wie es fertig aussehen könnte.
Als ich die Schneiderin fragte was denn nun mit dem cremefarbenen Stoff wäre, dass ich mal davon ausgehe, dass sie den jetzt einfach mit absteckt, oder?
„Ja.. der cremefarbene Stoff, also ich habe mich dagegen entschieden..“
Mein Gesicht fiel auf den Boden.. Hatte ich richtig gehört? Ich konnte gar nichts sagen und starrte sie nur fassungslos an..
Sie erklärte dann ganz fröhlich, dass sie stattdessen cremefarbene Satinbänder besorgt hätte, die bereits umgenäht sind und die macht sie dann an beide Kleider hin, weil das viel dezenter ist und sie das viel schöner findet als wenn sie den Stoff dann gerafft anbringen müsste..
Sie holte sehr motiviert auch gleich das cremefarbene Band dazu und jetzt kehrte ein Teil meines Gesichtes auch wieder zu mir zurück.. denn es sah glücklicherweise ganz gut aus als sie es hinhielt.
Trotzdem war ich irritiert, da wir ja sehr hochwertigen cremefarbenen Stoff gekauft hatten (ich erinnere daran, dass ich den ja in Vorkasse bezahlen sollte!) und der nun nicht verarbeitet wurde. Sie meinte aber dann gleich, dass sie den Stoff dann wieder von der Rechnung abzieht. Hurra, das ist ja mal eine gute Idee.. also wirklich, natürlich wird der abgezogen!
Sie erklärte auch gleich, dass das doch keine gute Idee wäre aus dem Stoff eine Blume zu zaubern sondern dass sie lieber bei der Kleinen dann am Taillenband kleinere cremefarbene Röschen anbringt.. aaaah,… ok…
Ich weiß nicht, aber irgendwie bin ich in einen Modus gefallen, in dem ich keine Lust mehr hatte zuzuhören. Ich dachte mir: Ok, das sieht gut aus, mach das jetzt bitte endlich so und dann möchte ich hier raus und damit nichts mehr zu tun haben. Es war einfach insgesamt zu anstrengend, hier noch weiter auf seine Vorstellungen zu bestehen. Ich war zufrieden mit der Hoffnung, dass die Kleider bitte noch rechtzeitig fertig werden (also hallo... welche weiteren Ansprüche hat Braut auch.. grenzt ja fast an Unverschämtheit für die eigene Hochzeit bei maßgeschneiderten Kleider wirklich auch noch eigene Wünsche zu haben... tssss..) und dass sie auch immerhin so aussehen wie ich sie mir jetzt halbfertig eben vorstellen kann. Sie nahm also Maß und kuckte ob auch ja überall alles passt und ordentlich sitzt (das dachte ich zuminest, es sah einigermaßen professionell aus aber - ihr wisst ja - man kann sich da leicht mal irren).
Die Kleine sah wirklich absolut toll aus in dem rosapinken Kleid. Ich glaube ihr gefiel es auch sehr gut, weil es eben rosa war und sie sah darin aus wie eine kleine Prinzessin. Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich in dem Alter gerne selbst so ein Kleid gehabt hätte und gerne selbst mal Brautmädchen gewesen wäre. Dann erinnerte ich mich aber wieder an ein Prinzessinnenkleid das meine Mama damals selbst mit der Nähmaschine für Fasching für mich genäht hat. Das war auch hellrosa und hatte keine cremefarbenenen Bänder wie diese hier sondern silberne Glitzerbänder und ich war sooooo stolz und glücklich dieses Kleid zu haben. Und ganz ehrlich.. meine Mama ist keine gelernte Schneiderin.. nicht mal eine angelernte.. und hat das Kleid trotzdem ohne Umwege super schön hinbekommen.. Mir fällt hier ein warum ich eigentlich nicht einfach meine Mutter gefragt habe, ob sie mit Hilfe von Burdaschnitten solche Kleider nähen könnte..
Naja, soviel zu Klein-Mädchenträumen die einem durch den Kopf gehen, wenn man plötzlich selbst als Braut seine Hochzeit plant. Irgendwie witzig, was einem da so alles durch den Kopf geht und welche Erinnerungen da geweckt werden.
Aber zurück zum Schneidertermin..
Mein Patenkind durfte nun auch ran… ihr Kleid sollte ja etwas anders geschnitten sein, da sie ja bereits älter ist und nicht mehr dieses typischen Mädchenprinzessinvorstellungen hat sondern es gerne schon ein wenig cooler und stylischer haben möchte.
Eigentlich war ausgemacht, dass sie zwar einen anderen Schnitt bekommt, aber auch oben ganz normale Träger haben soll. Ja, genau, zwei (nummerisch ausgedrückt 2) Träger.. einer links, einer rechts, nur zum besseren Verständnis.
Nun ja, nun hatte das Kleid einen Neckholder (nummerisch 1!).  Ich fragte sie sofort, ob sie mit dem Neckholder klar kommt, denn ich weiß, dass das nicht jeder leiden kann aber sie bejahte das zum Glück. Begeistert war ich zwar an sich nicht, weil es eben anders ausgemacht war, aber es sah schon gut aus
Auch ihr Kleid wurde nun fachmännisch abgesteckt (es sah zumindest professionell aus, habe ja schon einmal oben erwähnt dass professionell wirken nicht gleich professionell arbeiten bedeutet) und wir waren so langsam frohen Mutes, dass doch noch alles gut wird.

Auch die Boleros, die extra aus demselben Stoff angefertigt wurden, konnten noch angepasst werden so dass auch der zweite Ärmel nun angenäht werden konnte.

Wir haben dann vereinbart, Donnerstag wieder zu kommen um die finale Anprobe zu machen.. zwei Tage vor der Hochzeit… aber es schien ja nun alles seinen Weg zu gehen!
Für diesen Termin kündigte ich direkt an, nicht mehr mitzukommen weil ich mir sicher war dass ich zwei Tage vor der Hochzeit noch andere Dinge zu erledigen hätte und so einigten wir uns darauf, dass die beiden Kids mit ihren Mamas zur Schneiderin kämen. Die wüssten ja auch Bescheid was abgesprochen war und können dann die Kleider ja direkt mit nach Hause nehmen. Und Donnerstag würde dann ja hoffentlich alles passen.. naja, lasst euch mal überraschen..

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