Donnerstag, 22. Januar 2015

Kurztripp Neujahr/Silvester 2014/15



Unser kleiner Münchenkurztripp – Teil 3


Der Berg ruft…




Am Freitag – es war schon der zweite Tag des neuen Jahres – war unser Abreisetag. Da wir wussten, dass wir in nächster Zeit wahrscheinlich erstmal nicht mehr so schnell zusammen hier runter kommen, wollten wir noch einen kurzen Abstecher in Richtung Berge machen.

Man will das ja schließlich ausnutzen wenn auch das Wetter schon mal so toll mitspielt und außerdem wollten wir unbedingt mal wieder Gondel fahren.. Warum? Weil ich nicht aus der Übung kommen wollte! Aus der Übung??? Richtig! Vor nicht allzu langer Zeit war Gondelfahren das absolute Horrorszenario für mich. Mit Schweißausbruch, Nervenzusammenbruch, apathischem Stillschweigen, wieder Heulen mit anschließendem Nervenzusammenbruch war Gondelfahren für mich definitiv kein Spaß!

In unserem allerersten Urlaub, da waren wir wirklich erst kurz zusammen (wir sind ja mittlerweile schon seit fast 16 Jahren ein Paar) sind wir zum ersten Mal zusammen ein paar Tage weg gefahren.. mit dem Auto. Wir waren drei Tage am Walchensee und hatten da richtig tolle romantische Tage in denen man sich in sämtlichen neuen Situationen kennenlernen konnte. Schließlich war man nun plötzlich 3 Tage am Stück zusammen, keiner konnte einfach weg, weil man ja zusammen im Urlaub war, man hatte nur ein Auto zusammen, war also zum ersten Mal total aufeinander angewiesen und Tag und Nacht zusammen.

Im Nachhinein betrachtet war aber nicht das die aufregendste Situation, sondern tatsächlich ein paar Minuten, die ich in einer Gondel verbrachte.. panisch, apathisch.

Damals konnte mein Mann noch nicht ahnen, welche Angst ich in solch einem Ding ausstand. Wie denn auch, ich ahnte es ja nicht einmal selbst. Ich war zum letzten Mal mit der Schule im Skikurs in den Bergen und damit in einer Gondel. Ich erinnerte mich noch daran, dass dieses Ding nicht mein Freund wurde aber dass ich nun dermaßen reagierte, damit war selbst ich erst einmal überfordert.

Man muss dazu sagen, dass mal wieder mein typisches „Glück“ noch dazu kam. Ich sagte: Ok, ich steig ein, aber NUR auf der Seite die dem Berg zugewandt ist, damit ich den Berg ankucken kann und nicht dem tiefen Abgrund ausgeliefert bin.

Ja, soviel dazu, denn als wir nun an der Gondelstation am Herzogstand auf die nächste Gondel warteten und die auch kam, waren noch einige Leute vor uns und ich dachte: Ok, wir nehmen die nächste..

Der Typ an der Gondelstation meinte aber: Nein, nichts da, da ist noch Platz. Da ich ja so baff war und meinen Ohren nicht trauen wollte, begann also sofort die Phase, in der ich apathisch wurde und ließ mich von diesem "netten" Mann also in die fast volle Gondel schieben. Alle Leute wollten aber auf die Bergseite, so dass er mich direkt in die einzige freie Lücke schob.. Direkt vorne.. direkt am Abgrund.. direkt an der Glasscheibe..

Ich drehte mich um, mit Blick in Richtung Berg, die Gondel setzte sich in Bewegung und mein Alptraum begann. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass mir die Knie wegsackten, ich am Boden saß, keine Mimik verzog, eine Frau mich dauernd fragte, ob bei mir alles in Ordnung sei aber ich keinen Ton antworten konnte, weil ich die Sprache verloren hatte. Irgendwann waren wir oben. Mein Mann (damals ja noch mein Freund) schaffte es irgendwie mir klar zu machen, dass ich doch nun aufstehen müsste um aus der Gondel auszusteigen und irgendwie bin ich aufgestanden, aus dem Ding hinaus, das aber nicht im Haus auf Beton hielt, sondern ich musste auf einen Gitterboden treten, der dann weiterging bis zum Berg. Ich weiß nur noch dass meine Knie weich wie Butter waren und ich daher nicht im aufrechten Gang total graziös und leicht schwebend Richtung Berg gekommen bin sondern eher halb krabbelnd irgendwie dieses Gitterding überwunden habe um mich auf die nächste Bank zu retten und dort erst einmal hemmungslos 20 Minuten lang zu weinen.

Mit dem festen Vorsatz, dass ich da nicht wieder einsteige um hinunter zu fahren.

Irgendwann habe ich mich beruhigt und ich konnte mich ganz gut dem Bergpanorama widmen, den Berg erkunden und ein wenig Spaß haben. Als es jedoch so weit war, dass wir beschlossen hatten, den Berg wieder zu verlassen, musste mein Mann leider erkennen und einsehen, dass ich tatsächlich nicht mehr bereit war in dieses Höllending einzusteigen so dass wir den kompletten Weg 4 ½ Stunden ohne entsprechende Ausrüstung (keine Wanderschuhe, kein Proviant, nichts) bergab nach unten gelaufen sind. Das war der Muskelkater meines Lebens!

Wir haben nun immernoch diese Fahrkarte für eine Talfahrt vom Herzogstand. Sie wird in Ehren aufgehoben und wenn wir alt und grau sind, können wir bestimmt immernoch über dieses Erlebnis schmunzeln.


Seitdem haben wir absolut sportlich jeden Berg selbst zu Fuß erklommen und uns die Brotzeiten am Gipfel damit auch wirklich verdient.

Erst im Jahr 2012, als wir standesamtlich geheiratet haben, wurde mein Ehrgeiz endgültig geweckt, es nochmal mit dem Gondelfahren zu versuchen. Wir hatten unsere Flitterwochen in Malaysia gebucht und wollten da u.a. 7 Tage auf der Insel Langkawi verbringen. Dort gibt es eine Gondel auf einen Berg hinauf und dort oben einen Skywalk mit Plattform. Das war mein Ziel! Das wollte ich schaffen!



Also sind mein Mann und ich in der Woche nach der Hochzeit Richtung Berge gefahren zum Kreuzeck und haben da einen Flitternachmittag verbracht. Dort bin ich seit meinem Horrorerlebnis zum ersten Mal wieder in eine Gondel gestiegen. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind und mein Mann war so toll! Er hat mir Mut gemacht, mich total angespornt, mich unterstützt und tapfer meine Hand gehalten und auch die Schmerzen ertragen die ich aufgrund meiner Anspannung mit meinen Händen an seinem Bein festhaltend durch verkrampfte Finger in seine Oberschenkel verursacht habe.

Mir sind anfangs die Tränen runtergelaufen aber dann war das auf einmal so toll! Da ich ja gerne mitllerweile in den Urlaub fliege (auch da gab es schon Zittermomente) hat er mir eingeredet, als die Gondel bergauf losging, dass es nichts anderes ist wie ein Flugzeug das gerade startet. Ich habe mich total in die Situation hineingefühlt und auf einmal ging es… mit Kribbeln im Bauch, nervösem Magen und Schweißhänden. Aber ich habe es geschafft!

Die Pointe an der Geschichte ist übrigens, dass der Skywalk auf Malaysia letztendlich aber grad zu der Zeit unserer Flitterwochen tatsächlich geschlossen hatte, weil er renoviert wurde..



Seitdem sind wir immer wieder mal Gondel gefahren, sogar in die große Zugspitzgondel habe ich mich getraut und das sogar in vollen Zügen genossen.



Kommen wir daher zurück zum 02.Januar 2015. Der Entschluss stand: Wir wollen Richtung Berge fahren!



Leider waren wir vor Garmisch ewig im Stau. Bedauerlicher Weise mussten wir im Stau stehend der Sonne zusehen, wie sie sich langsam verabschiedete und den Wolken Platz machte. Egal, unsere Laune war trotzdem gut, immerhin ließ sie sich zwischendurch blicken und es blieb ja trocken. Das war das Wichtigste!

Als der Stau endlich vorbei war, bot sich uns schon ein tolles Bild das die Vorfreude auf den Berg steigen ließ. Seht selbst:







Unser Ziel war schließlich der Wank.




Dort angekommen stieg die Aufregung wieder ein bisschen.




Die Gondelfahrt auf den Wank dauerte 20 Minuten, so dass man wirklich ausgiebig das Panorama genießen konnte.. Nur leider nahm der Wind zu und die Gondel fing ganz schön an zu wackeln.. daher war mein Gesichtsausdruck als ich kurz  für das Foto alleine saß auch nicht der entspannteste.. Aber mit meinem Mann zusammen ging es wieder ganz gut.

 
Auf gehts... rauf auf den Berg!




Alpspitze und Zugspitze und dahiter noch ein bisschen Sonne

Olympia-Skisprungschanze in Garmisch..





Mittelstation



 soooo hoch...

Endlich der Gipfel...





Oben angekommen pfiff uns der Wind um die Ohren. Ich habe keine Ahnung welche Windgeschwindigkeit der hatte, aber manchmal fiel es einem, wenn man gegen den Wind stand, fast ein bisschen schwer tief einzuatmen. Auch meine Tasche machte sich manchmal selbstständig und wehte umher, aber es war trotz allem wirklich wert, hochzufahren und den tollen Ausblick zu genießen!
Wir hatten wirklich eine Menge Spaß und der Ausblick belohnte auch das tapfere Trotzen gegen den Wind..

































Nach der Kälte - und inzwischen war es ja bereits nachmittags, wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen - sind wir dann ins Wankhaus eingekehrt und haben uns da gepflegt bei Currywurst und Pommes aufgewärmt..

Auch da war ein toller Ausblick geboten. Endlich konnte man mal wirklich erkennen, welche Massen an Schnee hier lagen:


Irgendwann ist aber auch der schönste Tag zu Ende und bevor keine Gondel mehr fuhr, machten wir uns auf den Weg zur Gondelstation.. Leider mussten wir uns gedulden, da die Gondel wegen dem argen Wind kurze Zeit angehalten wurde.. meine Güte wurde ich nervös. Als es endlich wieder weiterging, stieg ich erstmal nicht ganz entspannt ein und befürchtete leichte Turbulenzen..
Aber zum Glück wurde der Wind wieder eine Idee schwächer und das Gewackel in der Gondel hielt sich in Grenzen. Außerdem hatte ich ja meinen tollen und mutigen Mann an meiner Seite, der mich beschützte.. was soll da also schon schiefgehen!



Das Jahr fand einen tollen Einstieg. Ich wünsche mir dass dieses Jahr noch weitere Kurztripps und Ausflüge folgen und wir viel erleben und aber auch entspannen können.

Für die bevorstehende Hochzeit kann das ja auf keinen Fall schaden..

By the way..  noch 114 Tage... und das Wochenende verspricht die Hochzeitsvorbereitungen weiter voran zu treiben, schließlich müssen weitere Einladungen gebastelt werden und auch das Tortenthema rückt mal kurz in den Mittelpunkt..

Macht es gut, morgen ist ja zum Glück schon Freitag.. ;-)

Kommentare:

  1. Oh man du Arme. Solche Panikattacke... Allerdings ist mir in den Dingen auch immer mumlig, weil ich Angst habe das Seil reißt.

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  2. Oh manno, du hast das so real geschrieben, dass ich beim Anschauen deiner Gondelfotos echt weiche Knie und nen flauen Magen bekommen habe... ;-)

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  3. @Sandra, das denke ich mir auch manchmal: Wieso hängt das Seil so durch wenn doch so eine schwere Gondel dranhängt.. Da kann man mir erstmal nicht mit logischen und technisch richtigen Argumenten kommen... *lach*

    @Lienchen: Ja der flaue Magen.. das ist immer das Problem beim Runterfahren, weil ich kurz vorher oben gegessen habe.. aber ging alles gut! ;-)
    Ich hoffe dein Magen und deine Knie haben mittlerweile auch wieder Stabilität erreicht!

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